Unsere Pferde

Babe: Schleswiger-Kaltblutstute, geb. 2004

Babe wird seit 2010 geritten und am Boden geschult. Die erste Zeit wurde vor allem nach dem Prinzip des Vertrauens geritten, das heißt überwiegend mit Knotenhalfter bzw. loser Zügelführung und hauptsächlich über Sitzhilfen und geübte Stimmkommandos. Im Gelände ging sie zwar in den Galopp, neigte aber sehr zum Durchgehen und war insgesamt schwer in die Balance zu bringen, den Zügelhilfen wiedersetzte sie sich zäh! Nach einigen Versuchen diese Probleme durch üblichen Reitunterricht lösen zu können (was nicht glückte!), geriet ich über eine Messe an eine Ausbilderin der klassischen Reitkunst.
Diese Frau zeigte uns Übungen, die dem Pferd das Trensengebiss erklären konnten und innerhalb weniger Tage kaute Babe das erste Mal ab und nahm das Gebiss deutlich williger an. Doch noch war ich selbst oft viel zu hart und in falscher Position mit den Zügeln, meine Stute wiedersetzte sich zäh meiner fehlerhaften Zügelführung und drohte schon mal mit grobem Ungehorsam. Seit 2013 lernen wir das Reiten nach dem Vorbild der „Schule der Légèreté“ (Philippe Karl). Iris Winkler aus Dänemark ist Reitlehrerin der klassischen Reitkunst und beeindruckt uns immer wieder durch ihre Gabe die Hilfen anschaulich und logisch zu erklären.

Die Erfolge empfinden wir vor allem in dem sehr leichten Annehmen der Reiterhilfen. Zudem ist Babe deutlich ausbalancierter geworden, fällt nicht mehr auf die Schulter, ist in der Lage auch kleinste Volten zu reiten und bleibt im Gelände an leichten Hilfen in allen Gangarten. Babe ist sehr aufmerksam und willig geworden. Dennoch ist sie eine ranghohe starke Persönlichkeit (Leitstute) und muss immer wieder angehalten werden, sich dem Leitanspruch des Reiters (besonders im Gelände und vor allem in der Rosse!) unterzuordnen. Im täglichen Umgang ist sie auffällig gehorsam und im Reitunterricht willig und mitdenkend. Babe ist sehr feinfühlig und nimmt Stimmungen intensiv wahr, reagiert dementsprechend auch wunderbar auf feinste Hilfen und auf die Verlagerungen der Energien des Reiters.

2014 habe ich Babe mit zu meinen Lehrgängen TGT Bodenschule für Trainer von Peter Kreinberg nach Toppenstedt genommen. Auffällig war, dass sie seitdem noch weitaus gehorsamer ist, sowohl am Boden wie auch unter dem Sattel. An anderer Stelle mehr zur Methode der TGT Bodenschule von Peter Kreinberg.

Lillyfee, Haflinger, geb. 2001

Seit Juni 2014 ist Lillyfee bei uns eingezogen. Ich wurde vermehrt gefragt, ob ich hier auch Unterricht zu den Themen Reiten und Bodenschule geben würde. Um andere an meinen Erkenntnissen in der Pferdeausbildung teilhaben zu lassen habe ich mir dann diese liebenswürdige Haflingerstute ausgesucht. Lillyfee (vorher Helifix genannt) wurde verkauft, weil die Besitzerin wenig Zeit hatte und zudem auch immer mehr Schwierigkeiten hatte das Pferd alleine ins Gelände zu reiten. Vermutlich stand Lillyfee recht lange einfach nur noch so auf der Koppel, denn sie war sehr steif, ihre Hufe mussten durch regelmäßige Pflege wieder in Form gebracht werden und erst Anfang 2015 kam die Pferdezahnärztin, weil mir auffiel, dass Lillyfee etwas ungeschickt Leckerlis und Möhren fraß zur Kontrolle vorbei. Die Zahnärztin musste vier Zähne ziehen, die alle gebrochen waren, bzw. nur noch in Fragmenten vorhanden waren. Eine genaue Ursache konnte nicht ausfindig gemacht werden, aber aufgrund der Zahnschäden, der Steifheit im Hals-Schulterbereich und der großen Angst alleine zu sein, vermuten wir, dass Lillyfee früher einmal stark gestürzt ist. Inzwischen ist Lillyfee wieder in Form, kann gut kauen und geht mit mir auch alleine ins Gelände. Gemeinsame Ausritte mit Ihren Pferdefreunden genießt sie allerdings besonders. Wir sind sehr dankbar, dass wir Lillyfee gefunden haben und uns auch genau für sie entschieden haben. Denn diese zuerst doch so nervös wirkende Stute ist inzwischen ein fantastisches Lehrpferd. Die Reitschüler im Alter von 4 bis 12, und auch die erwachsene Reitanfänger, können auf ihr gefahrlos das Reiten und den Umgang mit Pferden allgemein erlernen. Das Pony arbeitet willig und hochkonzentriert mit, weiß sich aber auch auszudrücken, wenn die Reiter "falsche Hilfen" geben oder versehendlich zu grob werden. Wenn sie gar nicht weiter weiß, dann kommt sie zu mir und sucht Unterstützung. Innerhalb der Herde ist die kleine hübsche Haflingerstute ein lebhaftes Pferd, das mit ihren Sinnen immer wach ist. Sie hat ihren sicheren Platz in der Herde der mächtigen Pferde mit ihrem Charme, ihrer Frechheit und ihrer Sanftmut in wenigen Tagen einnehmen können.

Jolly, Belgisches Kaltblut, geb. 2001

Jolly kam 2011 zu uns als Einsteller auf den Hof. Sein damaliger Besitzer verkaufte ihn dann weiter an seine jetzige Besitzerin. Schön, dass Jolly bei uns geblieben ist. Jolly ist die Seele bei uns im Stall. Früher hatte es dieser mächtige Kerl sicherlich auch nicht immer leicht. Er wollte zu Beginn nichts mit den Menschen zu tun haben und konnte nur langsam zum gemeinsamen Training ermutigt werden. Inzwischen ist er Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen, hat aber seine Sorgen aus vergangenen Zeiten nicht vollständig ablegen können. Es gibt Dinge die machen Ihm einfach Angst (auch der Radlader, den er seitdem jeden Tag mehrfach sieht) und er reagiert auf Kommunikationsfehler seitens der Menschen sehr sensibel und z.T. ängstlich und introvertiert. Hat man aber sein Vertrauen gewonnen, so ist er enorm feinfühlig, kooperativ und sanft. Jolly ist so ein typisches Pferd, welches durch mehrere Hände ging, weil die Vor-Besitzer mit Kraft und Druck bei einem solchen Kollos nicht weiter kamen und aufgegeben habe. Jetzt hat Jolly wieder ein schönes Leben in einer festen Herde, mit festen Bezugspersonen, klaren Umgangsformen und einer pferdefreundlichen Unterbringung, die ihn zu einem wirklich freundlichen und aufgeschlossenen Pferd haben werden lassen.

Jaci, Holsteiner Warmblut, geb. 1994

Jaci ist eine Stute, die schon seit 1998 die gleiche Besitzerin hatte. Seit vielen Jahren hat sie auch noch eine Reitbeteiligung, welche seit 2017 ihre neue Besitzerin ist. Sie kümmert sich ebenfalls intensiv und liebevoll um sie. Jaci wurde früher von ihrer damals noch jugendlichen Besitzerin im Springsport geritten, hat schon einmal ein Fohlen zur Welt gebracht, welches an gute Freunde der alten Besitzerin verkauft wurde. Diese sehr brave und ruhige Warmblutstute ist unter Anleitung ihrer alten Besitzerin als Therapiepferd gegangen. Jaci und Jolly mögen sich besonders gerne. Wir sind froh, dass wir diese beiden Einstellerpferde und ihre Besitzer bei uns auf dem Hof haben. Die langen teilweise auch spannenden Ausritte, der gemeinsame Unterricht bei Monika Köster, der gemeinsame Spaß in der Halle und die gegenseitige Unterstützung im Alltag.

 

Unsere Reitergemeinschaft

In unserer kleinen Reitergemeinschaft mit vier aktiven Reitern und vier Pferden halten wir es für besonders wichtig, im Sinne des naturell Horsemanship miteinander zu leben. Wir sind stets bemüht die Zeichen unserer Pferde richtig zu deuten und darauf einzugehen. Zudem achten wir sehr auf unsere eigene Ausstrahlung, unser Handeln und unsere Worte, damit die Pferde uns gut verstehen können. Die Pferde sollen ihre Bedürfnisse ausleben dürfen und dabei unseren Leitanspruch akzeptieren. Alles was wir von unseren Pferden fordern, muss zunächst von ihnen verstanden werden können und sie sollten eine gewisse Sinnhaftigkeit erkennen können. So ist es uns möglich uns als Vertraute innerhalb der Herde zu bewegen und in Stressituationen beruhigenden Einfluss auf die Pferde nehmen zu können. Selbst das gemeinsame Ruhen, das freie Spiel und die gegenseitige Körperpflege (Kraulen) finden in unserer Herde auch zwischen Mensch und Pferd statt und das macht uns besonders glücklich. Ein ganz wesentlicher Vorteil ein menschliches Herdenmitglied in leitender Funktion zu sein ist, dass sich die Pferde auch unter dem Reiter wesentlich kooperativer zeigen und zum Teil mit großer Freude mitdenken und arbeiten. Ein ganz wesentlicher Punkt im Zusammensein mit Pferden ist ZEIT. Wir müssen sehr viel ZEIT miteinander verbringen und immer wieder Momente der Unendlichkeit mit unseren Pferden erleben. Wir haben das Glück zur Klassischen Dressur gefunden zu haben. Dank unserer Reitlehrerin Iris Winkler aus Dänemark können wir das Reiten nach dem Vorbild von Karl Phillipe „Die Schule der Légèreté“ erlernen. Es gibt weltweit verschiedene Ansätze der Klassischen Reitkunst, die sich alle in wesentlichen Punkten überschneiden. Allen gemein ist der Leitsatz, dass die Dressur für das Pferd gemacht wurde und nicht das Pferd für die Dressur. Um ein Pferd im klassischen Sinne ausbilden zu können, muss man zuerst die natürlichen Anlagen des Pferdes erkennen, den aktuellen Ausbildungsstand und die mentale Verfassung. Dann beginnt man in sehr kleinen (dem Pferd angepassten) Schritten mit erklärenden und gymnastischen Übungen, die auf der Biomechanik des Pferdes beruhen. Das Pferd wir sehr schnell merken, dass ihm diese Übungen Kraft und Ausdruck verleihen und es wird immer williger mitarbeiten und dabei Stolz empfinden. Langfristig ist es das Ziel das Pferd auch unter dem Reiter mit Leichtigkeit, Schönheit und Brillanz zu erleben. Durch diese aufbauenden gymnastischen Übungen werden Psyche und Körper eines Pferdes in Balance gebracht und lange gesund erhalten. Dort wo sich gute Klassische Dressur und naturalle Horsemanship begegnen, entwickeln sich Pferde mit trainierten Körpern, eleganten Gängen, losgelassener stolzer Seele, die zuverlässig, willig und mit viel Freude gemeinsam mit ihrem Reitern leben und arbeiten. Das Pferd entwickelt großes Selbstvertrauen und Vertrauen in seinen Reiter. Wichtig ist es sich immer wieder klar zu machen, dass das Pferd das Tempo bestimmt. Denn geht man mit Geduld, Muße und System vor, in denen sich die Anforderungen aufeinander aufbauen, werden Rückschritte minimiert und der Wille zum Gehorsam gestärkt. Jeder gute Ausbilder wird bei der Arbeit sowohl die Persönlichkeit des Reiters wie auch die des Pferdes mit einbeziehen. Zudem wird er das Training entsprechend den Fähigkeiten und dem Ausbildungsstand von Reiter und Pferd anpassen, selbst die tagesformabhängige mentale Verfassung von Pferd und Reiter müssen in den Trainingseinheiten Berücksichtigung finden. Die Mitglieder unserer kleinen Reitergemeinschaft möchten jeden Tag etwas dazulernen. Vor allem aber möchten wir täglich einen zuverlässigen, sicheren und liebevollen Umgang mit unseren Pferden leben.